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Rosen, um die herum es summt und brummt

Ist es nicht wunderbar, dass wir im Zuge des Trends, bei der Pflanzenauswahl insektenfreundliche Arten und Sorten zu berücksichtigen, so viele Schätze neu entdecken, die uns dazu führen, unseren Gärten die Naturnähe zurück zu bringen? Und das auf überaus reizvolle Weise!

Hmmm ... vielleicht ist das Wort »Trend« etwas irreführend – immerhin wird es im allgemeinen Sprachgebrauch auch mit »Zeitgeist« oder »Mode« gleichgesetzt. Aber mit Sicherheit ist der »Insektenfreundliche-Gartenpflanzen-Trend« mehr als ein flüchtiges Phänomen. Das Thema ist längst auch bei den Rosenzüchtern angekommen. Viele wunderbare robuste neue Sorten mit ungefüllten oder halbgefüllten Blüten entstehen – denn auch die halbgefüllten Blüten weisen Staubgefäße auf, und um die geht es ja dem hungrigen Insektenvolk. Das Bewusstsein, dass in jedem Garten, ja auf sogar jedem Balkon, den zunehmend gefährdeten Insekten Nahrung und Zuflucht geboten werden kann, verankert sich immer fester bei allen, die gärtnern – auch (aber längst nicht nur) bei jüngeren Generationen, die vielleicht sogar gerade deswegen das Gärtnern für sich entdecken.

Die erste eiserne Regel beim Gestalten eines insektenfreundlichen Gartens lautet: keinerlei chemische Behandlungsmittel verwenden! Dazu sollte man die Standortansprüche der »Kandidaten« für ein Beet oder auch Pflanzgefäße kennen – und natürlich die Eigenschaften der Sorten selbst. Züchtungen, die im Ruf stehen, heikel und anfällig für Pilzkrankheiten zu sein, scheiden bereits im Vorfeld aus. Das ist bei der Wahl der Rosensorten ganz besonders wichtig.

Die zweite eiserne Regel ist genauso wichtig wie die erste: Sorten mit gefüllten Blüten haben ihre Staubgefäße und oft auch die Nektarien, die den zuckerhaltigen Saft bereitstellen, in Blütenblätter umgewandelt und können Insekten deshalb nichts bieten. Aber sie würden wegen des Dufts und der Farbe der Blüten dennoch angelockt und vergebens nach Nahrung suchen – ein kräftezehrender vergeblicher Energieaufwand.

Rosenblüten bieten Insekten in erster Linie Pollen und kaum Nektar. Auch wenn zahlreiche stark gefüllte Züchtungen das Image der »typischen Rose« prägen und diese Rosen für anfliegende Insekten eine Enttäuschung sind, gibt es sehr viele schöne, widerstandsfähige Sorten für den Garten, die über Staubgefäße verfügen und damit für Insekten interessant sind. Je mehr davon eine Blüte bietet, desto reicher ist das Pollenangebot. Daher sind einfach blühende Rosen für den Naturgarten die Favoriten, aber auch halb oder locker gefüllte Rosen halten noch genug »Futter« für Insekten bereit! Sobald ihre Blüten offen sind, laben sich auch an ihnen Bienen, Hummeln und Co., und wer Platz im Garten hat und viele Nahrung spendende Blüten anbietet, muss schließlich kein schlechtes Gewissen haben, auch mal eine gefüllt blühende Rosensorte dazwischen zu setzen, wenn sie besonders gefällt.

Die ersten Filter bei der Suche nach bienenfreundlichen Rosensorten sind also gesetzt: Blattgesundheit und Blüten mit vielen Staubgefäßen. Und selbstverständlich lenkt das ein erstes Augenmerk auf so schöne Wildrosen wie die stattliche Rosa helenae oder die unermüdlich blühende kleine Rosa multiflora 'Nana' (ein Tipp besonders für kleine Gärten) – das liegt in der Natur der Sache. Auch wildrosennahe Kulturformen, etwa die Gallica-Rose 'Complicata' sind eine ausgezeichnete Wahl.

Doch es gibt noch mehr zu bedenken. Denn es kommt ja nicht nur darauf an, wieviel Pollen eine einzelne Rosenblüte bereitstellt, sondern auch, wie viele Blüten offen sind. Da gilt die Faustregel: Je kleiner eine Blüte art- oder sortentypisch ausfällt und je größer der Strauch wächst, desto mehr Blüten werden gebildet. Dieser Gedanke führt uns zu Großstrauchrosen und Ramblern, die wahre Massen an nicht oder halb gefüllten Blüten hervorbringen. Ich denke da an die wunderbare klassische 'Goldfinch' oder die herrlich leuchtende 'Maria Lisa'. Ihre Blütezeit schließt an die der meisten Obstbäume an und stellt die weitere Versorgung mit Pollen sicher.

Wenn wir schon einmal beim Gedanken »Blütenmenge« sind, nehmen wir am besten auch den Faktor »Zeit« mit auf. Die höchsten Rambler und die anmutigsten Wildrosen blühen grundsätzlich einmal in der Saison – je nach Art oder Sorte etwa drei, vier Wochen lang im Frühsommer. Und dann?

Ja, dann sorgen öfterblühende Rosenselektionen und Züchtungen für Nachschub auf dem Pollenbüffet der Insekten. Allerdings muss man dafür die Blütenbüschel, sobald sie welken, über dem ersten oder zweiten voll entwickelten Laubblatt abschneiden. Nur so bilden sie keine Hagebutten aus, sondern werden zum Neuaustrieb angeregt, der wenige Wochen später blüht. Viele Sorten bilden bis zum Frost drei Blütenschübe aus, bei günstigen Bedingungen sogar vier. Besonders schöne Beispiele dafür sind etwa der öfter blühende Rambler 'Ghislaine de Feligonde' sowie die sehr reich blühenden Sorten 'Sally Holmes', 'Ballerina' oder 'Darlow's Enigma' – alle drei gehören zu den Moschata-Rosen, die als Rosenklasse dafür bekannt sind, dass ihre Blütenbüscheln im Spätsommer und Herbst noch üppiger ausfallen als in den vorangegangenen Sommerwochen.

Eine ganz besondere Neuheit ist die rote 'Bee Lovely'. Sie stammt von der bekannten 'Mozart' ab, die ebenfalls mit den Moschata-Rosen verwandt ist. 'Bee Lovely' ist im Farbton etwas dunkler als die Ausgangssorte und wächst eine Spur kompakter. Bemerkenswert ist ihre schöne dunkelrote Laubfärbung gegen Ende der Rosensaison. Gezüchtet wurde sie von Christian Schultheis, und der war freudig überrascht, als er erfuhr, dass die kundigen Mitglieder der Deutschen Rosengesellschaft 'Bee Lovely' in einem Votum zu »Rose des Jahres 2019« kürten. Zu Recht, denn diese Sorte ist nicht nur schön, sondern auch gesund und vital – und liegt voll im eingangs erwähnten Trend hin zu gesunden, insektenfreundlichen Züchtungen.

Aus derselben Rosenschule, sie ist übrigens die hierzulande älteste und befindet sich im Rosendorf Steinfurth bei Bad Nauheim, stammt auch die dauerblühende, bezaubernde 'Sternenflor', die bereits im Jahr 1989 eingeführt wurde. Sie wächst so zierlich, dass sie sich bestens auch für geräumige Gefäße eignet. Ihre weißen Blüten verströmen einen feinen Honigduft. Hier schließt sich der Kreis – die Rosen versorgen die Bienen, und diese versorgen uns später mit Honig ... auf den 'Sternenflor' uns bereits Appetit macht.

Wenn Rose, Biene und Mensch zusammenarbeiten, haben eben alle etwas davon!


Andreas Barlage
Lieblingspflanzen Andreas Barlage ist der Wandervogel unter den Gartenbesitzern. Weil er in seinem Leben viel umgezogen ist, hat er reichlich Erfahrungen an sehr unterschiedlichen Standorten sammeln können.
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Text: Andreas Barlage
Fotos: Andreas Barlage (Titelfoto: Rosa 'Goldfinch', Beitragsfotos: Rosa gallica 'Complicata', Rosa 'Ghislaine de Féligonde', Rosa 'Sally Holmes') und Staudengärtnerei Gaißmayer