Pelargonie mit Tabak

Als Liebhaber von Pelargonien wird man allenthalben mit dem Begriff »Balkongeranien« konfrontiert. Manche sagen es aus Unkenntnis, andere, weil sie »Geranien« verabscheuen. Letzteren schließe ich mich an, soweit es sich um gefüllte, gedrungene Farblieferanten mit Fernwirkung handelt. Doch bin ich, wie gesagt, ein Liebhaber von Pelargonien. Und dazu gehören etwa 200 Arten. 98 % davon sind in Südafrika zu Hause, eine Art auf Helena und eine, Pelargonium endlicherianum, in Anatolien und Syrien, vielleicht bald eine Pelargonie für den Garten.

Über alle Arten, ihre Eigenarten, ihren intensiven Blattduft, ihre Schönheit ist viel geschrieben worden. Hier geht es heute nur um die Hybride Pelargonium x hortorum. Sie ist aus einer Kreuzung von Pelargonium inquinans mit Pelargonium zonale hervorgegangen. Von dieser Kreuzung gibt es hunderte Sorten, die meisten bilden reife Samen, wenn man die Blüten nicht abschneidet. Kenner wissen, dass wir nun wieder bei den »Balkongeranien« gelandet sind. Davon aber habe ich einige wunderschöne, einfach blühende Sorten. Am aufregendsten jedoch ist ein Sämling, der durch Bestäubung entstanden ist. Pollen lieferte eine rosa Hybride, (Pelargonium x hortorum) bestäubt wurde die Wildart von Pelargonium zonale. Der Sämling zeigte bald eine schöne, besonders große rosa Blütendolde und eine enorme Vitalität und Wuchsfreude. Heute, nach ca. 15 Jahren hat sie eine Höhe von gut 4 Metern bei einer Breite von 2,50 Metern (wohlgemerkt eine Pflanze!). Sie hat sich in einem Klettergerüst verkrallt, das einst für Wein bestimmt war. Da diese gigantische Pflanze nach so vielen Jahren nicht weniger wird, sondern jedes Jahr noch zulegt, wollte ich sie doch einmal der Öffentlichkeit vorstellen. Ich hoffe, die Fotos liefern den richtigen Eindruck.

Nun aber noch eine kleine Sensation: Im letzten Spätherbst habe ich eine Nicotiana alata ausgegraben und ins Kalthaus genommen, um die Samen zu retten. Der Tabak im Blumentopf wuchs über Winter weiter, bildete Blütenknospen und blüht seit Mitte März ununterbrochen. Um korrekt zu sein, er blüht eigentlich nur nachts und wirft dann mit seinem Duft so gewaltig um sich, dass es im ganzen Haus wahrzunehmen ist. Der Duft ist intensiv lieblich, süß und von einer Fülle, wie ich sie bei keiner anderen Duftpflanze je so erlebt habe. Dabei gibt es unter den mit Nicotiana alata verwandten Nachtschattengewächsen ohnehin sehr »gewaltige« Dufter. Die Pflanze hat jetzt eine Höhe von 1.70 m. Leider setzt sie mangels Nachtfaltern keine Samen an, dafür aber seit 6 Wochen ununterbrochen neue Blüten. Bedauerlicher Weise musste ich feststellen, dass offenbar nikotinresistente Blattläuse sich an den Blüten verlustieren, allerdings ohne sichtbare Schäden zu verursachen. Oder fehlt dieser Tabak-Art das Nikotin? Im Mai kommt die Pflanze wieder ins Freie. Vielleicht sorgt sie dann für neue Überraschungen!

Christian Seiffert
aus Jamlitz und Eresing Seit 2001 experimentiert Christian Seiffert parallel in zwei geographisch weit auseinanderliegenden Gärten: in Oberbayern und in der Niederlausitz, im Land Brandenburg.
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Text und Fotos: Christian Seiffert