Die Rose in der Literatur

Seitdem die Menschen dichten, hat der Zauber, der von Rosen ausgeht, die Schriftsteller fasziniert und zu den schönsten Werken inspiriert. Gedichte und Geschichten sind auf diese Weise ebenso entstanden wie Märchen, Sagen und Lieder. Die Minnesänger haben die Rose besungen und die Liebe im »Roman de la Rose«, dem Rosenroman aus dem 13. Jahrhundert, unsterblich werden lassen. In diesem Roman spielt die Rose eine herausragende Rolle, steht sie doch darin als Sinnbild für die Frau. Der Renaissancedichter Boccaccio (1313 – 1375) lässt sein berühmtes Werk »Dekameron« in einem Landhaus in den Hügeln von Florenz stattfinden und beschreibt dort einen paradiesisch schönen Garten, der von duftenden Hecken aus Rosen und Jasmin umgeben ist. Wie wunderbar muss dies in einer Zeit gewirkt haben, als die Pest Europa in ihrem schrecklichen Griff hielt und das Leben alles andere als paradiesisch und wohlriechend war!

Verse über Rosen sind in diesen und auch späteren Zeiten eine Mahnung an die eigene Sterblichkeit: Diesen Gedanken gießt zum Beispiel der Dichter Barthold Heinrich Brockes (1680 – 1747) aus Hamburg in ergreifende Worte:

Wie eine Rose blühet
Wenn man die Sonne siehet,
Begrüßen diese Welt,
Die eh der Tag sich neiget,
Eh sich der Abend zeiget
Verwelkt und unversehens abgefällt.

So wachsen wir auf Erden,

Und hoffen groß zu werden,
Und schmerz- und sorgenfrei,
Doch eh wir zugenommen,
Und recht zur Blüte gekommen,
Bricht uns des Todes Sturm entzwei.

Natürlich haben auch Märchensammler wie die Brüder Grimm der Rose ein Denkmal gesetzt, etwa in dem bekannten Märchen vom Dornröschen. Die Zeit der Romantik hat jede Menge Märchen über Rosen hervorgebracht, wie beispielsweise Hans Christian Andersens Märchen »Die schönste Rose der Welt«. Da heißt es einleitend: »Es war eine mächtige Königin, in deren Garten befanden sich die schönsten Blumen jeder Jahreszeit und aus allen Ländern der Welt; aber die Rosen liebte sie besonders, und deshalb hatte sie von diesen die verschiedensten Arten, von der wilden Heckenrose mit den nach Äpfeln duftenden grünen Blättern bis zur schönsten Rose aus Frankreichs Provence. Und sie wuchsen an den Mauern des Schlosses hinauf, rankten sich um Säulen und Fensterrahmen, in die Gänge hinein und an den Decken der Säle entlang, und jede gab ihr Bestes in Duft, Form und Farbe.«

Für die Vergänglichkeit, aber auch die Blüte der Jugend und Sinnlichkeit steht die Rose in der Zeit der literarischen Klassik. Man denke nur an Goethes Gedicht vom Heideröslein, das so berühmte Komponisten wie Schumann, Schubert und Brahms vertont haben! Sehr gefühlvoll verarbeiten die Dichter der Romantik die Schönheit der Rose, teilweise bis zum Übermaß, sodass sich Dichter wie Heinrich Heine in seinem Gedicht »Alte Rose« am Ende dieser Epoche genötigt sehen, sich der Thematik von der ironischen Seite her zu nähern. Ganz frech treibt es dann Wilhelm Busch auf die Spitze, wenn er schreibt: »Rosen, Tanten, Basen, Nelken sind genötigt zu verwelken!«

Die Rose hat Dichter und Denker aller Zeiten inspiriert – sie tut es auch heute noch. Und das ist auch kein Wunder, denn schöne Worte und schöne Rosen sind ein Paar, das sich aufs Herrlichste ergänzt. Wie heißt es doch so treffend in einem persischen Weisheitsspruch? »Das Buch ist wie eine Rose, beim Betrachten der Blätter öffnet sich dem Leser das Herz.«

Antje Peters-Reimann
Antje Peters-Reimann ist Gartenhistorikerin und Journalistin in Essen. Sie hat sich der Geschichte der Gartenkunst verschrieben und berichtet berichtet über bekannte und unbekannte Gärten und ihre Schöpfer und erzählt spannende „grüne Geschichten“!...
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Text und Fotos: Antje Peters-Reimann

Quelle: Wikimedia Commons: John William Waterhouse: A Tale from the Decameron:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Waterhouse_decameron.jpg

Quelle Wikimedia Commons: Ferdinand Georg Waldmüller: Rosenstrauß am Fenster:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Waldm%C3%BCller_-_Rosenstrau%C3%9F_am_Fenster.jpeg