Staude des Jahres 2021

Schafgarben – liebreizend, vielseitig und von hohem Gartenwert

Wir freuen uns sehr, dass das gärtnerische Potential der Schafgarben (Achillea) mit ihrer naturhaften Ausstrahlung, einem attraktiven, oft wandelbaren Farbspiel und der stetig wachsenden Spannbreite an Sorten durch die Kür zur Staude des Jahres 2021 die verdiente Aufmerksamkeit bekommt!

Züchterisch bemüht man sich schon einige Jahrzehnte um die Arten dieser reizvollen Gattung. Auch der große Staudengärtner Ernst Pagels (1913-2007) hat bereits in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts einige hervorragende, heute wie damals wertvolle Sorten geschaffen. Aber es scheint, dass wir erst durch den ästhetischen Wandel hin zu natürlichen Pflanzengemeinschaften nachempfundenen Beetgestaltungen den Wert dieser robusten, züchterisch nur behutsam bearbeiteten Stauden schätzen gelernt haben. Und längst spielen in der Gartengestaltung auch Eigenschaften wie Klimawandeltauglichkeit und Insektenfreundlichkeit eine große Rolle. Hier können die liebreizenden Schafgarben ebenfalls punkten, denn sie sind wenig anspruchsvoll, kommen mit sommerlicher Trockenheit recht gut zurecht und halten nahezu alle ein üppiges Nektar- und Pollenangebot bereit.

Die Gattung Achillea gehört zur Familie der Korbblütler und ist enorm vielgestaltig. Von gerade einmal 10 cm hohen Vertretern wie der Griechischen Silber-Garbe (Achillea umbellata) bis zu den manchmal 150 cm messenden Gold-Schafgarben (Achillea filipendulina) reicht die Spannbreite. Auch im Wuchsverhalten unterscheiden sich die Arten erheblich, es finden sich horst- und polsterbildende genauso wie ausbreitungsfreudige Arten und Sorten. Gärtnerisch sind besonders die schönen Züchtungen von Wiesen- und Gold-Schafgarbe interessant.

Wiesen-Schafgarben – Achillea millefolium

Der deutsche Name der in Europa und West-Asien heimischen Wiesen-Schafgarbe weist darauf hin, dass sie gern von Schafen gefressen wird, während die botanische Bezeichnung Achillea millefolium deutlich mehr verrät: Ihre medizinisch wirksamen Eigenschaften kannte der Legende nach schon der namengebende griechische Held Achilles, während die Artbezeichnung millefolium (Tausendblatt) auf die unzähligen grazil gefiederten Blättchen hinweist. Die sowohl durch Auslese als auch Einkreuzung entstandenen Millefolium-Hybriden sind ausgesprochen vital, breiten sich durch Ausläufer moderat aus und lieben es warm und sonnig. Sommerlichen Trockenperioden halten sie wacker stand. Der Boden sollte durchlässig und gut, aber nicht zu üppig mit Nährstoffen versorgt sein, denn ein Überangebot an Stickstoff würde sich auf die Standfestigkeit auswirken. Die attraktiven Blütenstände machen sich wunderbar in sommerlichen Sträußen und sind auch für die Trockenbinderei eine tolle Empfehlung.

Das kräftige Rot der jungen Blüten von 'Belle Epoque' wandelt sich allmählich zu zartestem Rosa, während die Sorte 'Petra' mit einem dunklen, samtigen Rotton aufwartet, der später nur wenig aufhellt. Sehr gefällt uns auch das farbliche Zusammenspiel neuer und älterer Blüten der zauberhaften 'Lachsschönheit', deren zu Beginn kräftiger, warmer Lachston allmählich über Rosa zu Weiß verblasst. Auffällig reichblütig und von sehr aparter Farbe ist die fleißig nachtreibende Sorte 'Lilac Beauty'. Das helle Violett der jungen Dolden wirkt zusammen mit den allmählich zu zartem Lavendelrosa aufhellenden älteren Blüten besonders charmant.

Gold-Schafgarben – Achillea filipendula

Die horstig wachsenden, standfesten Sorten der herb duftenden, in Vorderasien beheimateten Gold-Schafgarbe (Achillea filipendula) werden meist etwas höher und stattlicher als millefolium-Kultivare. Auch verlangen sie etwas mehr Feuchtigkeit. Aber nicht nur gelbe Sorten, wie der deutsche Name vermuten lässt, hat diese schöne Art zu bieten. Neben bewährten Klassikern wie der hohen, besonders großblütigen und tatsächlich leuchtend gelben Sorte 'Coronation Gold' hält das Sortiment auch kühle und feurige Rottöne bereit.

Der berühmte Gärtner und Staudenzüchter Ernst Pagels widmete sich den Schafgarben intensiv und hat uns Sorten mit einzigartigem Farbspiel hinterlassen. Eine seiner attraktivsten Züchtungen ist zweifellos die vitale zweifarbige 'Terracotta', deren unverwechselbarer Farbklang über Orange-Braun zu Orange und später im Verblühen hin zu Gelb- und Ockertönen wechselt.

Ebenfalls wertvoll sind diese zwei besonders farbintensiven Pagels-Sorten: 'Walter Funcke', deren kompakter Wuchs auf einen Erbanteil von Achillea millefolium hinweist, hat graugrünes Laub, das in reizvollem Kontrast zum leuchtenden Orangerot der jungen Dolden steht, die nach und nach immer weiter aufhellen. Hoch und standfest weiß 'Feuerland' mit besonders schönem zweifarbigem Farbspiel zu begeistern. Um die gelben Röhrenblüten in der Mitte wandelt sich die Farbe der anfangs leuchtend feuerroten äußeren Zungenblüten allmählich über Orange zu Gelb, so dass die Dolden aus der Ferne lachsfarben erscheinen. Kompakt, wüchsig und von eher zarter Ausstrahlung ist die ebenfalls von Pagels eingeführte pastellfarbene Auslese 'Hella Glashoff'. Ihre besonders lang andauernde Blüte ist von ganz hellem, dann aber kaum verblassendem Gelb. Durch die zurückhaltende Farbe ist diese feine Vordergrundsorte besonders kombinationsfreudig.

Ein nostalgischer Schatz – die Bertramsgarbe, Achillea ptarmica

Nicht weniger reizvoll als die doldenblütigen Schafgarben, aber mit überraschend anderer Ausstrahlung ist die reizende gefüllte Bertramsgarbe (Achillea ptarmica) 'Schneeball'. Bereits im Jahr 1879 unter dem Namen 'Boule de Neige' eingeführt, hat diese historische Schönheit seither nichts an Attraktivität und Gartenwürdigkeit eingebüßt. Mit ihrer mittleren Höhe von etwa 70 cm, den allerliebsten schneeweißen Blütenbällchen, die unablässig und in großer Fülle von Juni bis September hervorgebracht werden, ist sie nicht nur eine robuste und langlebige Beetstaude, sondern auch für die Floristik sehr interessant. Ideal sind sonnige bis absonnige Plätze und nährstoffreiche Böden, die zwar durchlässig, aber gut mit Feuchtigkeit versorgt sein sollten. An solchen Standorten wird 'Schneeball' bestens gedeihen und sich durch kurze Ausläufer ausbreiten. Ihr Ausbreitungsdrang lässt sich durch gelegentliches Teilen im Frühjahr oder nach der Blüte aber gut kontrollieren.

Eine Doppelbegabung – die Muskatgarbe (Achillea decolorans)

Zu guter Letzt sei noch eine eher selten angebotene, dabei wirklich liebenswerte und interessante »Doppelbegabung« der Gattung vorgestellt: die hübsche Muskatgarbe (Achillea decolorans). Sie ist mit ihren aparten weißen Blüten, schönem Laub und zart-aromatischem Duft bei moderatem Wuchs nicht nur im Staudenbeet am richtigen Platz, sondern offenbart, wie ihr deutscher Name schon verrät, noch weitere Qualitäten. Der milde Muskatgeschmack des noch zarten, jungen Austriebs ist in der Küche eine absolute Bereicherung überall dort, wo zartes Muskataroma gewünscht ist. Einmal etabliert, kann man die Stauden sogar mehrmals zurückschneiden und auf diese Weise nicht nur im Frühjahr beernten. Sie liebt durchlässige, gern etwas nährstoffreichere Böden und gedeiht, anders als die meisten Vertreterinnen ihrer Gattung, auch bestens im Halbschatten.

Pflanzpartner und Pflege

Als Pflanzpartner bieten sich für Schafgarben eine Fülle von Stauden an. Sehr delikat sind Ton-in-Ton-Kombinationen mit der eigenen Art, aber auch die kerzenförmigen Blütenstände der Agastachen, duftige Schleierkräuter, Feinstrahlastern, Sonnenhüte, Blaurauten, filigrane Prachtkerzen (Gaura) und etliche mittelhohe Gräser sind als Gesellschaft geeignet. Die Verwendungsmöglichkeiten der Schafgarben sind ähnlich vielfältig, sie machen sowohl in der klassischen Prachtstauden-Rabatte, im ländlichen Bauerngarten, in naturnahen oder auch modern interpretierten minimalistischen Pflanzungen immer eine gute Figur.


Gut zu wissen: Schneidet man Verblühtes nach dem ersten Flor frühzeitig aus, werden viele Sorten willig remontieren. Im Herbst ist dazu jedoch nicht zu raten, denn die herbe Schönheit der mumifizierten Blütenstände ist später als strukturschaffende Wintersilhouette im Garten sehr willkommen, was auch Insekten freut, die sie gern als schützendes Winterquartier nutzen. Schafgarben gehören, ähnlich wie die Roten Sonnenhüte (Echinacea), zu den kurzlebigeren Stauden. Dieser in ihrer Natur liegenden Eigenschaft kann man aber entgegenwirken, indem man sie alle drei bis vier Jahre teilt und neu aufpflanzt. Bestens eignet sich dafür die Zeit des Austriebs im Frühjahr, aber auch direkt nach der Blüte, also im Früherbst, ist die Teilung sehr gut möglich.