Schön – aber böse: das Orientalische Zackenschötchen

Man sollte meinen, wer so einen poetischen Namen trägt, kann eigentlich nur lieblich und bescheiden sein. Weit gefehlt! Weder ist das ehemals nur von Sibirien bis Südosteuropa verbreitete Orientalische Zackenschötchen (Bunias orientalis) lieblich, noch kann man ihm Bescheidenheit attestieren. Schon im 19. Jahrhundert gelangte es in unsere Breiten und wurde hierzulande eine Zeitlang als Futterpflanze angebaut, weil Triebe und junge Blätter durchaus schmackhaft sind, wie der Beiname Türkische Rauke ahnen lässt. Eine massive Ausbreitung wird erst, mit zunehmender Dynamik, seit etwa 20 Jahren registriert. Durch eine fatale Mischung von überlebenssichernden Eigenschaften in Kombination mit der unfreiwilligen Verbreitung durch uns Menschen (dazu weiter unten mehr), hat es sich zu einem äußerst invasiven Neophyten entwickelt. Genau wie andere Einwanderer, die unsere heimische Flora aggressiv verdrängen, sollte man es deshalb kennen und wissen, wie man ihm, wenn überhaupt, Einhalt bieten kann:

Wie der Raps, dem das Zackenschötchen ähnelt, gehört es zur Familie der Kreuzblütler, wird ca. 1,5 Meter, manchmal sogar 2 Meter hoch und kann über 10 Jahre alt werden. Ältere Quellen sprechen noch von einer kurzlebigen, nur etwa 2 Jahre überdauernden Pflanze. Das musste inzwischen – leider - korrigiert werden. Anders als beim Raps laufen die Blätter spitz zu, die Samenschötchen sind warzig und gerundet. An verzweigten Trieben erscheinen ab Mai die gelben, unangenehm süßlich riechenden Blüten. Jede Pflanze produziert 2000 - 5000 Samen. Bereits im Folgejahr kommen die Sämlinge zur Blüte. Die Wurzeln können bis zu zwei Meter tief in den Boden reichen. Wo das Zackenschötchen gute Bedingungen vorfindet, kann es die vorhandene Vegetation stark bis vollständig verdrängen. Es liebt Trockenheit und Sonne bei guter Nährstoffversorgung. Die über Jahre keimfähigen Samen reifen ab Juli. Für ihre Verbreitung sorgen meist – wenn auch unfreiwillig – wir Menschen in unserer Kulturlandschaft: Wiesenschnitt, umgraben, hacken und fräsen (Verbreitung durch Wurzelstücke), maschinell aufgebrochene Böden und Straßenränder, Auto- und Traktorreifen, an denen die Samen gut haften, das sind die höchst effektiven Multiplikatoren.

Eine Mahd während der Blüte verhindert zwar den Samenansatz, zu früh darf sie jedoch nicht erfolgen, denn die Stauden regenerieren sich schnell und bilden oft erneut Blütenstände. Wird damit jedoch bis nach der Blüte gewartet, riskiert man, dass halbreife Samen auch getrennt von der Pflanze bis zur Keimfähigkeit nachreifen. Dem Einwanderer mit rein ökologischen Maßnahmen beizukommen, ist also kein leichtes Unterfangen. Wer einzelne Pflanzen entdeckt, kann sie (vor der Samenreife!) erfolgreich mitsamt aller Wurzelteile ausstechen, was allerdings nur gelingen wird, wenn die Wurzeln noch nicht zu tief ins Erdreich vorgestoßen sind und die Bodenverhältnisse (möglichst weich und feucht) es ermöglichen. Auch das kleinste im Boden verbliebene Wurzelstück bringt eine neue Pflanze hervor. Dass sich die aus dem Gleichgewicht geratenen Areale im Laufe der natürlichen Sukzession wieder einpendeln, indem konkurrierende Arten auf den Plan gerufen werden, zeichnet sich derzeit nicht ab.

Bedenklich stimmt, dass Bunias orientalis dennoch bei diversen Anbietern nach wie vor als Pflanze und/oder Saatgut erhältlich ist - mal als „pflegeleichtes Wildgemüse", „ausdauernde Salatpflanze" oder gar unzutreffend als „ausdauernder Gourmet-Brokkoli". Und leider wird nicht immer darauf hingewiesen, dass es sich um eine als invasiv eingestufte Pflanze handelt, deren Versamung (und damit Verbreitung) es unbedingt zu verhindern gilt.


Wer mehr über den gelben Übeltäter wissen will, findet hier gute Informationen und Abbildungen, die bei der Identifikation helfen:


Bayerische Landesanstalt für Landwirttschaft: Orientalisches Zackenschötchen (Bunias orientalis)

Korina: Orientalische Zackenschötchen

Kreisgruppe Würzburg: Das Orientalische Zackenschötchen

Angelika Traub
Aus dem Forsthaus | Angelika Traub betreut Redaktion und Lektorat unseres Gartenmagazins. Sie lebt und gärtnert am Rande des Sollings. Im großen Landschaftsgarten mit seinen weitläufigen Staudenpflanzungen und vielen besonderen Gehölzen kann sie ihrer...
Mehr lesen

Text: Angelika Traub
Foto Blüte: Quelle: Wikimedia Commons, Public Domain
Foto Habitus: Stefan Lefnaer, Quelle: Wikimedia Commons, Public Domain